Kreta 2025 Travelogue - Kostas II Labrys

28.11. 2025 (Iraklio)

Nach dem Frühstück galt es, sich der Vergangenheit zu stellen. 1985 habe ich auf meiner ersten Kreta-Reise das Archäologische Museum in Iraklio besucht, und habe es als etwas erlebt, das den Interessen eines 15jährigen nicht unbedingt gerecht wurde. Mein Onkel verweilte als geübter, ausdauernder und interessierter Museumsgänger gefühlte 20 Minuten vor jeder Vitrine und studierte die Beschriftungen, die auf einem Schild, groß wie der Zettel aus einem Glückskeks, in Schriftgröße 2px eine Keramikscherbe erläuterten, die aussah, wie die 5000 Scherben davor.

Nach 40 Jahren kehrte ich also zurück und wir haben uns beide verändert, das Museum, und ich. Die Anzahl der ausgestellten Objekte wurde deutlich reduziert, alles zeitgemäß aufbereitet, etwas Multimedia hier und da, eine gelungene Ausstellung mit Schätzen, die zu den kostbarsten der Menschheit zählen, und "einen weltweit einzigartigen Überblick über die minoische Kultur" bieten (Wikipedia). Bei mir ist das eine oder andere Quantum Bildung dazu gekommen, die eine oder andere Reise, die Geschichte nicht nur linear erlebbar macht, sondern parallel, und natürlich einfach Interesse, oder nennen wir es Motivation.

Iraklio Archäologisches Museum

Mit den Exponaten schloss sich für uns nach zweieinhalb Jahren der Kreis der vielen besuchten Ausgrabungsstätten, an denen bis auf Mauerreste ja in der Regel nichts zu sehen ist. Jetzt hat das ganze Inhalt und wurde mit Leben gefüllt.

Iraklio Archäologisches Museum

Die Zeitreise führt den Besuchenden von der minoischen Periode bis zur Epoche der Römer und damit der frühen Globalisierung. Erstaunlich für uns war der Umstand, dass spätere kretische Kulturen nach dem Kollaps des minoischen Imperiums anscheinend den hohen Stand der Kunstfertgkeit wieder eingebüßt haben. Kunst basiert eben auf Wohlstand, man muss die Zeit aber auch die Materialressourcen haben, um diese zu verwirklichen. Während 3500 Jahre alte Kunstwerke aus edlen Materialien perfekt ausgeführt waren, wie dieser Anhänger mit zwei Bienen, folgten 500 Jahre später wieder eher grobschlächtige, naive Figurinen aus Ton.

Iraklio Archäologisches Museum

Kunst ganz anderer Art konnten wir dann im Eingangsbereich des Museums bewundern, an dem aufgestellten Tannenbaum aus Plastik baumeln in diesem Teil der Welt keine Kugel, sondern künstliche Granatäpfel.

Iraklio Archäologisches Museum

Bei einem Kaffee oder Tee im Museums-Café erspähten wir dann unweit des Gebäudes einen großen Supermarkt und beschlossen, den noch offenen Teil der Souvenir-Jagt abzuschließen, zumal wir auf den Zimmern des Hotels Kühlschränke haben. Gesagt, getan, danach die Last auf das Zimmer tragen, sich unterwegs mit einem Bier erfrischen, und dann auf dem Zimmer bis zur Dämmerung ausruhen.

Am frühen Abend streiften wir durch das Zentrum von Iraklio, die viertgrößte Stadt Griechenlands hatte sich in eine Black-Friday-Weihnachtsmarkt-Hölle verwandelt, und stolz wurden Einkaufstüten herumgetragen, deren Beschriftungen mir nichts sagen und noch weniger bedeuten. Wie bei fast jedem Besuch einer Innenstadt, insbesondere an besonderen Einkaufstagen, deprimiert mich das Schauspiel der Huldigung des goldenen Konsum-Kalbs, und ich war hocherfreut, als wir nach etwas Suchen und mehrfachem Nachfragen tatsächlich noch das kleine Milchprodukte-Fachgeschäft mit großer Käseauswahl fanden, das auch das gesuchte Staka führte.

Und dann passierte etwas Lustiges. Wir flüchteten aus der Fußgängerzone, suchten nach einem Lokal für das Abendessen, liefen wahllos etwas nach Westen, sahen uns um, fanden etwas Ansprechendes, wurden vom Kellner an einen Tisch geführt und erkannten das Athali, in dem wir 2023 in ähnlicher Situation gelandet waren. Am selben Tisch!

Wie schon vor zweieinhalb Jahren war das Essen großartig, heute waren es smyrnische Soutzoukakia, gegrilltes Gemüse, Pilz-Orzo und kretische Nudeln mit Käse. Wunderbar!


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